Pilzerkrankungen unserer Kaninchen (Mykosen)

 

 

von Walter Reimers – Hamburg

 

Seit einigen Jahren werden in den Tierbeständen verstärkt Pilzerkrankungen festgestellt. Der volkswirtschaftliche Schaden begründet sich in dem schlechten Wachstum der erkrankten Tiere, wie auch das unbrauchbar wird der Felle.

Parallel zu den Pilzerkrankungen der Tiere, stiegen auch die Hautpilzerkrankungen beim Menschen. Nicht unbedingt beim Züchter, aber bei den Tierpflegern und -Wärtern in Zoos und anderen Anstalten wo Menschen beruflich mit Tieren zu tun haben.

Da auch beim Kaninchen immer mehr Hautpilzerkrankungen festgestellt werden, müssen Kaninchenzüchter und -halter dieser Krankheit in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken.

Haut und Haarpilzerkrankungen (Trichophytien) sind ansteckende Krankheiten, die durch kleine, mikroskopisch kleine, Pilze hervorgerufen werden. Hautpilze siedeln sich auf oder in den oberen Lagen der Haut an.

Haarpilze wachsen ebenfalls auf der Haut, wo sie dann mit ihrem Myzelgeflecht, den Wurzeln der Pilze, den Haarschaft umspannen. Als Folge dieser Umspannung ist das Ausfallen der Haare an den Befallstellen.
Besonders gefährdet sind Kinder. Vor allen Dingen kleine Kinder die beim oder nach dem Umgang mit den erkrankten Tieren sich ihre Finger in den Mund stecken.
Aber auch der rein äußere Kontakt der Kinder mit den erkrankten, Tieren kann zu einer ernsten Erkrankung führen. Dadurch bedingt, dass das Immunsystem unserer kleinen noch nicht richtig ausgeprägt ist.
Hautpilzerkrankungen müssen, um menschliche, aber auch wirtschaftliche Schäden zu vermeiden, energisch bekämpft werden. Neben den äußeren Hautpilzen haben auch die inneren Pilzerkrankungen stark zugenommen. Bei diesen Krankheiten handelt es sich um Erkrankungen, die durch das Einatmen bestimmter Pilzsporen, oder durch die Aufnahme über den Magen - Darm Trakt, entstehen. Es handelt sich hierbei um einen anderen Pilz wie die Trichophytien. Die Erkennung von inneren Pilzerkrankungen ist für den Laien schwierig wenn nicht unmöglich. Hier kann nur der Veterinär mit einer Kotuntersuchung weiterhelfen.

Kommen wir nun zu den einzelnen Pilzerkrankungen. Ich werde versuchen, so weit wie möglich die Ursache, die Krankheitserscheinung sowie die Bekämpfung erklären.

Favus (Erbgrind – Wabengrind)

Ein Hautpilz mit dem Namen Achorion schoenleinii jst hierfür verantwortlich.

Diese Art von Pilz ist nicht kaninchenspezifisch. Er kommt bei Mäusen, Katzen und Hunden vor. Aber auch der Mensch ist anfällig für diesen Pilz, so dass auch er als eine mögliche Infektionsquelle in Frage kommt. Infizierte Kaninchen können somit auch den Menschen infizieren. Charakteristisch für diese Krankheit sind die so genannten „Favusschildchen", der Arzt bezeichnet diese auch als „Skutula".

Bei diesen Schildchen handelt es sich um Kreisrunde, an den Rändern erhobene Borken die zur Mitte zu wie eine Schüssel od. wie ein Schild vertieft sind. In diesen Borken befindet sich der Pilz mit seinen Sporen. Nach dem Abstoßen dieser Borke entsteht in der Haut eine gelbe Delle. Bei einem Zusammenstoßen von mehreren veränderten Hautstellen entsteht eine Bild, das an eine Honigwabe erinnert. Favus (Latein) = Honigwabe.
Die Ansteckung erfolgt auf direktem Weg, also von Kaninchen zu Kaninchen. Oder von Maus, Hund, Katze etc. auf das Kaninchen. Aber auch Transportkisten, Ställe, Futtergeschirr, Kämme, Bürsten Scheren und auch der Mensch, können mit den Pilzsporen behaftet sein und somit die Krankheit übertragen.

Beliebte Befallstellen sind beim Kaninchen der Kopf wie die Pfoten. Am häufigsten werden die Schildchen (Borken) an den Augen, den Ohren und an den Nasenlöchern beobachtet.
In ganz schwierigen Fällen wird der ganze Körper befallen. Die Folgen eines Favusbefalls sind besonders dann schwerwiegend, wenn nach der Abheilung Kahlstellen im Fell zurückbleiben. Dieses kann soweit führen, dass das Fell nicht mehr verarbeitet werden kann.

Diagnostiziert wird die Krankheit zum einen durch das charakteristische Krankheitsbild bzw. durch eine mikroskopisch kulturelle Untersuchung eines Veterinärs.

Zur Behandlung sind erst einmal die vorhandenen Borken aufzuweichen und zu lösen. Dieses geschieht mit 10%tigem Sodawasser. Danach werden die örtlichen Stellen mit 5%tigem Salizylspiritus beträufelt. Zur vorbeugenden Bekämpfung nimmt man die erkrankten Tiere aus der Stallanlage in Quarantäne. Die Ställe werden dann gründlich gereinigt mit einer 2 % tigen Ätznatronlösung. Hier sind unbedingt die persönlichen Schutzausrüstungen
anzulegen (Gummihandschuhe, Schutzbrille, Gummischürze).

Trichophytonerkrankunq (Glatzflechte, Ringflechte, Herpes Tosurans)

Der volkstümliche Name der Trichophytonerkrankunq ist Glatze- oder Ringflechte. Die Erreger (Tosurans mentagrophytes, Tosurans rerrocosum) dieser Ringflechte kommen bei allen Tieren aber auch beim Menschen vor. Sie können bei allen Tieren sowie auch beim Menschen zu Hautpilzerkrankungen führen.

Trichophytiepilze sind zu Fäden (Hyphen) auswachsende Pilze die Myzelium (Pilzlager) und Sporen bilden.

Beim Kaninchen ist diese Art der Pilzerkrankung eher selten. Häufiges Vorkommen bei Pferden und Geflügel. Im Allgemeinen wachsen die Pilze dort am besten woher sie gekommen sind. Will heißen, eine Ansteckung vom Pferd auf das Kaninchen funktioniert, der Pilz aber wird sich nicht so aggressiv ausbreiten, wie bei einem Pferd. Die Pilze wachsen in der Oberhaut und wuchern in die Haarbälge. Sie bilden relativ wenige Fäden, jedoch reichlich Sporen. Die Ausbreitung auf dem Körper geschieht durch ein hautauflösendes Ferment, welches die Haut zu einer Abwehrreaktion anregt. Jetzt kommt es zu einer Schuppenbildung der Oberhaut. Der Krankheitsherd breitet sich gleichmäßig nach allen Seiten hin aus. Es erhält jetzt die Form eines Kreises (Glatzflechte). Setzt nun in der Mitte die Selbstheilung ein und werden dadurch die Lebensbedingungen für den Pilz schlechter, sprießen hier wieder Haare. Die Hautveränderungen scheinen ringförmig eine Haarinsel zu umgeben (Ringflechte).
Die Inkubationszeit, also jene Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch, beträgt 1 - 4 Wochen.

Die Diagnostik beruht zum einen auf die charakteristische Ausbreitung, wie auf eine mikroskopisch kulturelle Untersuchung.

Um das Kaninchen behandeln zu können, müssen die befallenen Stellen sorgsam von dem umliegenden Fellhaar befreit werden. Die erkrankten Stellen sollten dann mit einem 5%igen Sodawasser beträufelt werden. Zur Vorbeugung gegen Ansteckung des Bestandes sollte

man so verfährt wie bei der Favus Erkrankung.

Mikrosporonerkrankung

Mikrosporonpilze rufen beim Menschen, wie beim Kaninchen Hautpilzerkrankungen hervor. Der Name leitet sich von den kleinen Sporen ab durch die sie sich vermehren.

Die bei dem Tier auftretenden Mikrosporontypen sind sehr weit verbreitet. So kommen sie nicht nur beim Kaninchen, sondern auch bei: Schaf, Hund, Katze, Hamster, Meerschwein und Schwein vor.

Die Ansteckung verläuft direkt oder indirekt. Die auf die Haut gelangten Sporen keimen aus und der Pilz umspannt das Haar an der Basis. Das Haar scheint von einem weißlichen Mantel umgeben zu sein. Die Haut aber zeigt keine entzündliche Reaktion. Das Haar bricht schließlich ab.

Nachgewiesen werden kann diese Art von Pilzbefall nur durch den Veterinär. Dieser muss eine Nährlösung ansetzen und kann dann Ablauf einer bestimmten Zeit sagen, ob es sich um eine Mikrosporonerkrankung handelt. Am günstigsten ist es, die Untersuchung an einem Institut durchführen zu lassen, damit diese auch gleichzeitig ein wirksames Mittel mit benennen können.
Die Sporen des Mikrosporonpilze sind ungeheuer widerstandsfähig. So widerstehen sie einer Austrocknung bei Zimmertemperatur bis 2 Jahre. Noch ansteckungsfähiger sind sie in den geschlossenen Borken.
Eine Behandlung kann hier nur von einem erfahrenen Veterinär durchgeführt werden.

Aspergillose

Aspergillose kommt nur sehr selten bei Kaninchen vor. Es handelt sich hier um eine Schimmelpilzerkrankung, die durch Anatmen des Pilzes, Aspergillus fumigatus, in den Lungen eine tuberkuloseähnliche Veränderung hervorruft.

Die Ansteckung erfolgt durch die Atemluft. Die Pilzsporen können in schlecht belüfteten Ställen, aber auch durch das Futter an die Tiere herangebracht werden. Pilzsporen auf dem Futter bedingen auch eine Krankheit des Magen- und Darmtraktes.

Damit es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt muss das Tier durch irgendeinen Umstand geschwächt sein. (Trächtig, Laktierend).

Krankheitserscheinung:

Husten, Atemnot, Niesen zum Teil blutiges Niesen, Durchfall.

Der Tod kann infolge zunehmender Schwäche, aber auch durch ein verschließen der Bronchien, durch Erstickung eintreten.

Schlachtet man nun so eine Tier werden in der Lunge Hirse- bis Erbsenkorn große Knoten auffallen.

Der Verlauf dieser Krankheit ist langsam und schleichend. Eine Ansteckungsmöglichkeit von Tier zu Tier ist nicht gegeben. Trotzdem sollte man das erkrankte Tier isolieren.

Muss ein Tier getötet werden, so sind die Lungen zu verbrennen, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Saccharomycose (Hefezellenerkrankung)


Bei allen Haustieren, so auch bei unseren Kaninchen, wurden Hefepilze im Darm ausgemacht. Schon seit einigen Jahren ist bekannt, dass auch der weit verbreitete Hefepilz Sacchoromyces guttulatus häufig im Darm von gesunden Kaninchen vorkommt.

Das nun nicht jedes Kaninchen daran erkrankt liegt einfach daran, dass zwischen ihm und den anderen im Verdauungstrakt vorkommenden Mikroorganismen ein biologisches Gleichgewicht herrscht. Wird dieses Gleichgewicht durch ein Zurückgehen der anderen Mikroorganismen gestört, so erkrankt das Tier. Das biologische Gleichgewicht wird besonders dann gestört, wenn das Kaninchen einseitig ernährt oder mit ungeeignetem Futter gefüttert wird. Es kommt aber auch vor, dass ihre Vermehrung durch Produktion von verdauungswidrigen Fäulnisgasen gehemmt wird. Die Vermehrung von Saccharomyzeten geht nun ebenfalls mit der Produktion von Fäulnisgasen einher. Es entstehen Durchfälle.

Die Diagnose „Hefepilz" kann nur durch eine mikroskopische Kotuntersuchung festgestellt werden.

In den meisten Fällen ist eine Heilung möglich. Man verabreicht hierzu keine Medikamente, sondern reinigt den Darm mit einem Abführmittel. Hiernach bekommt das Tier solange sehr gutes Heu, bis sich der Kot wieder normalisiert hat. Man kann zur Unterstützung auch Vitamine des B-Komplexes in Form einer zerstoßenen Tablette verabreichen. Diese Vitamine begünstigen die Regeneration der Darmflora.

Zu guter letzt - Eine Pilzerkrankung sagt nichts über die Reinlichkeit eines Züchters und seiner Stallanlage aus.

Nicht alle Tiere bekommen Pilzerkrankungen. Das liegt einfach daran, dass, um an einem Pilz zu erkranken, das Tier, oder besser sein Organismus, durch irgendetwas geschwächt sein muss. Wir Menschen erkranken auch nicht gleich an Fußpilz, wenn wir ein Hallenbad besuchen.
So ist es auch bei unseren Kaninchen. Als Züchter kann ich auch eine Menge dazu beitragen, damit es nicht zu einer Pilzerkrankung kommt.

Fremde Tiere, also Tiere die ich neu in meinen Bestand übernehme, unterziehe ich einer genauen, augenscheinlichen Untersuchung. Setze sie dann noch ca. vier Wochen in Quarantäne.

Eine fremde Häsin, die ein Zuchtfreund bei mir decken lassen möchte, unterziehe ich einer ebenso gründlichen, augenscheinlichen, Untersuchung. Dasselbe gilt natürlich auch, wenn ich mit einer Häsin zu einem anderen Rammler zum Decken gehe.

Wenn ich Küchenabfälle verfüttere, nehme ich diese genau in Augenschein und kontrolliere auf Schimmelbefall. Wenn ich meine Stallungen ausgemistet habe, wechsele ich die Kleidung, so dass ich nicht mit evtl. Pilzsporen behafteten Sachen das nächste Mal meine Stallanlage betrete. Dieses gilt natürlich auch für den Fall, wenn ich einen Zuchtfreund besuche.

Um die Konstitution der Tiere zu stärken, verabreiche ich ihnen nur bestes, sauberes Futter. Futter also, das nicht angefault, angeschimmelt, dreckig oder erhitzt ist.
Die Ställe unserer Kaninchen sollten lichtdurchflutet und gut belüftet sein. Sie sollten auch kein feuchtwarmes Klima aufweisen. Denn gerade in einem feuchtwarmen Klima gedeihen Pilze sehr gut. Denken wir an das o.g. Beispiel mit dem Fußpilz in der Schwimmhalle.
Das Futter sollte sehr gut gelagert werden. Es sollte nicht offen herumliegen, sondern in geschlossenen Behältern aufbewahrt werden. Futterautomaten, durch die die Tiere tagelang mit Futter versorgt werden, sollten aus unseren Stallungen verbannt werden. Weil unser gepresstes Futter nur eine Feuchtigkeit von 12% aufweist, zieht es die Luftfeuchtigkeit an (hydoskopisch). Dadurch verdirbt es schnell und es bilden sich auf der Oberfläche Pilze.
Sollte doch einmal ein Tier an einer Pilzerkrankung leiden, so ist die gesamte Einstreu, wie auch ausgekämmte Haare zur vollständigen Vernichtung der Sporen zu verbrennen.

Sollte man der Meinung sein, das Tier ist an einem Pilz erkrankt, so sollte man sich darüber im Klaren sein, wenn man einen Veterinär aufsucht, dass diese Untersuchung sehr teuer ist und sie sich wirklich nur für ein exzellentes Zuchttier lohnt. Ich habe seinerzeit für die Untersuchung auf Mikrosporonerkrankung 120,00 DM bezahlt. Sollte man sich dann zu einer Untersuchung und dann zu einer anschließenden Behandlung entscheiden, so muss jeder wissen, dass eine Behandlung gegen Pilze nicht innerhalb einer Woche abgeschlossen ist.

Wer einmal an Fußpilz erkrankte weis, wie lange sich so eine Behandlung hinziehen kann. Nur eine konsequente Behandlung mit seiner gesamten Zeit verspricht Heilung für das Tier.

Mein Bericht soll nur eine kleine Übersicht über die Pilzerkrankungen unserer Kaninchen geben. Es soll aber auch die krankmachende Wirkung auf den Züchter herausstellen.

Die krankmachende Wirkung auf das Pflegepersonal ist so groß, dass die Trichophytenerkrankung, bei den Tierpflegern und Zoowärtern als Berufskrankheit anerkannt ist.

Es gab aber auch eine Zeit lang ein Futter dem Formalin beigefügt war. Dieses Formalin sollte eine Ansteckung des Tieres mit Pilzen verhindern.

Formalin im Futter dann im Tierkörper zu guter letzt auf dem Teller. Guten Appetit!

Da bleibe ich doch lieber bei den oben genannten Methoden zur Gesunderhaltung meiner Tiere.