Kokzidiose

Die Kokzidiose Ist eine Krankheit, die jedem Züchter schon einmal mehr oder weniger zu schaffen gemacht hat. Sie ist oftmals an erster Stelle das Sterben der vielen Jungtiere verantwortlich zu machen. Schon darum sollte jeder Züchter mit der Entstehung und der Krankheit vertraut sein. Die Kenntnis von der Behandlung der Tiere und der Bekämpfung der Erreger ist die einzige Erfolgsgarantie. Häufig verenden die Jungtiere bei einzelnen Züchtern gleich reihenweise.

Bei der Suche nach der Ursache sind alle möglichen Dinge schuldig. Nur bei sich selbst sucht man nicht. Meistens aber ist es gerade die Ahnungslosigkeit des Züchters, die die Jungtiere verenden lässt. Bei kleinen Fütterungsfehlern wird der normale Verdauungsablauf mehr oder weniger stark gestört. Eine Schwächung des Organismus ist die logische Folge. Diese wiederum öffnet im negativen Sinn Tür und Tor, besser Tier und Stall, für alle möglichen anderen Krankheiten. Der Züchter wundert sich z.B. über den Schnupfen, den er plötzlich im Stall hat. Selbstverständlich wird die Schuld bei anderen Züchtern oder bei Ausstellungen gesucht. Die wirkliche Ursache aber ist oft die Schwächung durch Kokzidiose infolge eines Fütterungsfehlers.

Wie entsteht  die Kokzidiose 

Die Erreger machen einen Teil ihrer Entwicklung im Tierkörper, vorwiegend im Darmtrakt, durch. Etwa ein gleich großer Teil der Entwicklung vollzieht sich außerhalb des Tierkörpers. Allgemein wird angenommen, dass etwa 70% unserer Kaninchen Kokzidienträger sind. Ebenso groß ist folglich der Prozentsatz der Dauerausscheider.  Es gibt im Grunde kaum Kaninchen, die nicht schon einmal von diesen Schmarotzern befallen waren.

Verschiedene Entwicklungsarten

Wir kennen verschiedene Arten der Vermehrung der Erreger bzw. der Sporen. Die wohl häufigste ist die Merogonie. Dabei gelangen die ausgereiften und ansteckungsfähigen Erreger mit dem Futter in den Magen - und Darmkanal. Dies ist der Beginn des Kreislaufes einer komplizierten Entwicklung und ungeheuren Vermehrung. Diese aufgenommenen Erreger werden Oozysten genannt. Sie haben eine schwer lösliche Hülle, die sie außerhalb des Tierkörpers nahezu unangreifbar macht. Erst Magen - und Darmsäfte lösen sie auf.

Der Inhalt, vier ovale Sporen mit je zwei Sporozoiten, kann sein Vernichtungswerk aufnehmen. Die vier Sporen mit je zwei Sporozoiten sind acht ansteckungsfähige Kokzidien. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Kokzidien bohren sich jede einzeln in eine Zelle der Darmwand. Sie fressen deren Inhalt. Die Zellen sterben ab. Damit ist ihr großer Hunger aber noch nicht gestillt. Die nächsten Zellen müssen daran glauben. Verständlicherweise wachsen sie bei dieser Fresslust recht schnell. Sie entwickeln sich wieder zur Ausgangsform für eine ungeschlechtliche Vermehrung. So entstehen aus einer Kokzidie etwa 100 ähnliche Kokzidien, die Merozoiten. Die Vermehrung erfolgt mit solcher Geschwindigkeit, dass schon in kürzester Zeit große Flächen der Darmschleimhaut vernichtet sind. Diese kann dann natürlich auch ihre eigentliche Aufgabe, die Verdauung, nicht richtig weiterführen.

Neben der ungeschlechtlichen Vermehrung innerhalb des Tierkörpers werden auch wieder Oozysten ausgeschieden. Sie entstehen durch die Gametogonie, eine weitere Vermehrungsform. Sie ist aber auch nötig, da die ungeschlechtliche Vermehrung ständigen Wiederholungsfall an Substanz verliert. Die oben genannten Merozoiten sind erschöpft und benötigen eine Blutauffrischung. Dazu bilden sich männliche und weibliche Geschlechtszellen. Die männlichen Geschlechtszellen werden durch ständige Teilung immer kleiner und beweglicher. Es sind die so genannten Mikrogameten. Die weiblichen dagegen sind größer und unbeweglicher. Sie werden als Makrogameten bezeichnet. Die sehr beweglichen Mikrogameten schwimmen zu den Makrogameten und befruchten sie. Nach der Befruchtung umgeben sich die Makrogameten mit einer festen, wachsähnlichen Hülle. Dies sind dann die Oozysten als Dauerform. Die Oozysten sind unbeweglich, sie werden mit dem Kot ausgeschieden. Bei der Berührung mit der Einstreu oder dem Futter bleiben sie daran hängen. Die neuerliche Aufnahme durch die Tiere ist die logische Folge. Der beschriebene Kreislauf vollzieht sich innerhalb nur einer Woche.

Die Oozysten besitzen eine große Widerstandskraft. Nahezu ohne Einfluss überstehen sie die verschiedensten Umwelteinflüsse. Selbst relativ starke, chemische Mittel können ihnen nichts anhaben. Lediglich Hitze vertragen sie nicht. Bereits bei 55 Grad Wärme sind sie innerhalb von zwei Sekunden abgestorben. Kältegrade, wie sie in unseren Breiten üblich sind, überleben die Oozysren anstandslos.

Allgemein ist zu sagen: Hitze und Trockenheit vertragen sie weniger als Kälte und Feuchtigkeit. Wobei Wärme und Feuchtigkeit geradezu als Brutofen wirken. Im Regelfall sind unsere Tiere Dauerausscheider. Da müssen wir uns einmal vorstellen, wie rasend schnell größere Mengen Kokzidien  bzw. in ihrer Dauerform als Oozysten ausgeschieden werden. Diese Oozysten machen bei entsprechender Wärme und Feuchtigkeit einen Reifeprozess von zwei bis drei Tagen durch. Die nötige Umwelt finden wir in jeder Bucht. Vermehrt natürlich in schlecht gepflegten Stallanlagen. Nach ihrem Reifeprozess sind die Oozysren ansteckungsfähig. Die Aufnahme ist sehr leicht mit dem Futter gegeben. Der Kreislauf beginnt von vorn.

Da Umwelteinflüsse den Oozysten kaum Schaden zu fügen können, sind sie selbst auf dem Feld oder der Wiese gefährlich. Beim Einbringen der Ernte, von Gras oder Heu, kommen sie wieder in den Stall. Häufig kommt es dabei zu Massenbefall. Eine saubere Stallanlage ist eine Möglichkeit, den totalen Befall zu verhindern.

Wir müssen zwei Arten von Kokzidien unterscheiden. Einmal die Darmkokzidie und zum anderen die Leberkokzidiose. Beide Arten sind in ihrer Auswirkung auf den Gesundheitszustand  der Tiere ähnlich.

Auswirkung auf das Tier

Die Kokzidien sind Schmarotzer. Sie nehmen ihrem Wirt, dem Kaninchen, die Nahrung. Dabei brechen sie die Zellen des Dünndarms, des Gallenganges und der Leber auf. Der Inhalt der Zellen dient ihnen als Nahrung. Die Zellen werden zerstört. Als logische Folge wird die Verdauungskraft herabgesetzt. Dies ist aber nicht die schlimmste Folge. Wesentlich schlimmer sind die Entzündungen der Zellen, die dabei entstehen. Es kommt zur Darmentzündung. Diese führt zur unvollständigen Verdauung.

Das halb verdaute Futter passiert zu schnell den Darm. Als Folge kommt es zu unerwünschten Gärungen im Leib der Tiere. Sie blähen auf. Oftmals meinen die Züchter, ihre Tiere hätten die Trommelsucht. Diese Diagnose ist aber unrichtig, da Trommelsucht nicht wie Kokzidiose von Durchfall begleitet wird. Die Darmentzündung und ihre Folgen sowie der Durchfall führen zu einem relativ schnellen Kräfteverfall. Es kommt im Extremfall zum Tod des Tieres.

Bei der Gallengang - oder Leberkokzidiose tritt Durchfall nur in den seltensten Fällen auf. Allerdings ist ein aufgeblähter Leib durchaus möglich. Es kommt durch die stark angeschwollene Leber. Beim schlachten zeigt die Leberoberfläche graugelbe, körnige Knoten. Ihre Entstehung geht auf einen Abwehrvorgang des Körpers zurück. Die eingedrungenen Kokzidien werden in einen Kalkpanzer eingekapselt. In dieser Form ist die Leberkokzidiose nicht tödlich. Werden aber die Lebensbedingungen für das Tier schlechter, so können die Kalkpanzer aufbrechen. Die folgende Überschwemmung des Körpers mit Kokzidien kann dann kein Tier mehr verkraften.

Allgemein kann gesagt werden, dass eigentlich nicht die Kokzidien die wirkliche Grundlage für eine Erkrankung mit Todesfolge ist, vielmehr ist es die Entstehung einer bakteriellen Darminfektion durch die Vernichtung großer Darmflächen. Diese Verletzungen kommen mit dem Futter und Kot in Berührung. Es entstehen Entzündungen und andere Darmerkrankungen. Diese sind letztlich die Todesursache. Mit anderen Worten, wir müssen dafür Sorge tragen, dass der Kokzidienbefall in erträglichen Grenzen gehalten wird.

Wie man die Kokzidiose in Grenzen hält?

Die befruchteten Eizellen werden mit dem Kot ausgeschieden. Es muss für absolute Sauberkeit gesorgt werden! Bei starkem Befall haben sich Roste recht gut bewährt. Der durchgefallene Kot sollte allerdings jeden zweiten Tag entfernt werden. Es verhindert das Reifen der Eier. Es ist dabei immer an die ungeheure Vermehrung der Oozysten zu denken. Immerhin entstehen innerhalb von drei Wochen aus einer Oozyste 750 000 Oozysten.

Erscheint ein Tier krank, so sollte es stets als letztes versorgt werden. Stallbuchten und Futternäpfe sind peinlichst zu desinfizieren. Ein gutes Mittel ist die Flamme. Aber Vorsicht!

Lange Zeit gab es kein wirksames Mittel gegen die im Tierkörper lebenden Kokzidien. Dr. med. vet. Friedrich Karl Dorn stieß 1947 mehr durch Zufall auf Eleudron. Diese Mittel wurde bei Lungenerkrankungen eingesetzt. Dr. Dorn fand heraus, dass Eleudron alle Formen von Kokzidien im Tierkörper abtötet. Ja, nicht nur im Tierkörper, sondern nach wenigen Tagen tritt eine völlige Befreiung von Oozysten ein. Dieses Mittel ist sehr verträglich. Es besteht kaum die Gefahr der Überdosierung.

Später sind zahlreiche Mittel auf den Markt gekommen, die gegen die Kokzidiose wirkten, die meisten auf Sulfonamidenbasis. Alle diese Mittel sind aber nur wirksam, wenn jede Art der Einschleppung verhindert wird. Beim Zukauf von Tieren oder nach Beschickung von Ausstellungen ist äußerste Kontrolle angesagt. Eine genaue Beobachtung der Tiere ist unerlässlich. Selbst das Decken in fremden Ställen oder das Deckenlassen fremder Häsinnen birgt Gefahren.

Häufig kommt es bei durch Kokzidiose geschwächten Tieren zu dem gefürchteten Schnupfen. Vielfach wird hier von Kokzidioseschnupfen gesprochen. Diese Interpretation ist aber falsch. Ein Aufeinanderfolgen beider Krankheiten ist nicht ganz auszuschließen. Es handelt sich aber um zwei völlig verschiedene Erkrankungen. Der Schnupfen ist eine Erkrankung der Atemwege, die Kokzidiose dagegen eine des Leber - und Darmtraktes. 

Ein Bericht von Gerhard Larsen Hamburg

Wir bedanken uns bei Zuchtfreund Gerhard Larsen für die Bereitstellung dieses Berichtes